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Stratege Albert Edwards: Warum ihn die Lage der USA stark an 2007 erinnert

 Albert Edwards, Stratege bei der Socété Générale, sieht derzeit viele Parallelen zum Krisenjahr 2007.


Immer mehr Experten gehen inzwischen davon aus, dass es der größten Volkswirtschaft der Welt nicht wirklich gut geht. Der bekannte Stratege der Société Générale, Albert Edwards, sieht das schon längere Zeit so. Jetzt erkennt er eine ähnliche Entwicklung wie vor der Finanzkrise.     

Am US-Aktienmarkt herrscht derzeit erstaunlich viel Ruhe. Laut dem US-Vermögensverwalter BlackRock waren die vergangenen vier Augustwochen gemessen an der Volatilität und dem Handelsvolumen sogar die Zeit mit der geringsten Volatilität in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Zugleich befinden sich die amerikanischen Aktienindizes nach wie vor in der Nähe ihrer historischen Höchststände. Wer sich nur das anschaut, kann schnell zu dem Schluss kommen, dass wir es mit einer hervorragend laufende Wirtschaft ohne größere Risiken zu tun haben.

Dass das über einige dunkle Wolken am Horizont hinwegtäuscht, zeigte sich zum Beispiel im August an den Einkaufsmanagerindizes. Die nämlich fielen laut BlackRock in den USA und auch hierzulande enttäuschend aus. Dazu kamen die zuletzt gemeldeten Arbeitsmarktdaten aus den USA. Die blieben hinter den Erwartungen zurück. Allerdings stellen die Experten der DZ Bank fest, dass in den ersten beiden Monaten des laufenden Quartals so viele neue Arbeitsplätze entstanden sind, wie im gesamten zweiten Quartal. Damit laufe der Jobmotor in den USA weiter rund und stelle eine wichtige Basis für einen lebhaften Konsum dar.

Nur der Konsum wehrt die Rezession noch ab
Tatsächlich ist der Konsum in den USA ein wesentlicher Impulsgeber der Wirtschaft. Oder besser: der einzige, wie es Albert Ewards von der Société Générale (SocGen) formuliert. Nur dieser verhindere derzeit eine (offizielle) Rezession in den USA. Interessant daran: laut Edwards war es im Jahr 2007 genauso. Damals war es ebenfalls eine robuste Entwicklung des Konsums in den USA, die die Schwäche in anderen Teilen der amerikanischen Wirtschaft ausglich. Doch das änderte sich nach nur sechs Monaten und offiziell steckte damit die größte Volkswirtschaft der Welt in der Rezession.

Die Frage, die sich also stellt: Werden die Konsumenten dieses Mal einen längeren Atem haben? Laut Edwards dürfte das kaum der Fall sein. Der wichtigste Grund dafür: Die Entwicklung der Preise in den USA. Schließlich sind die Ausgangsbasis für die Inflationsberechnung extrem niedrige Energiepreise, vor allem im zweiten Halbjahr 2015. Die liegen heute ein gutes Stück darüber und deshalb könnte die Inflationsrate im Dezember dieses Jahres, wie die Experten der US-Finanzblogger Zerohedge schreiben, tatsächlich 3,5 Prozent erreichen.

Genau diese Gefahr sieht auch Edwards. Gerade im zweiten Halbjahr 2015 stürzten die Energiepreise noch einmal regelrecht ab. Er geht auf Grund dieses Basiseffekts davon aus, dass die Gesamtinflation schon bald von derzeit einem auf zumindest 2,25 Prozent ansteigt. Das heißt, von den real verfügbaren Einkommen der US-Konsumenten gehen 1,25 Prozent weg. Steigt die Inflation noch höher, wie es die Finanzblogger von Zerohedge erwarten, dann dürfte dies die Konsumfreude noch stärker dämpfen.

S&P 500
Nach Ansicht von Edwards hätten die US-Verbraucher dann angesichts des engen amerikanischen Arbeitsmarktes allerdings die Möglichkeit, darauf mit höheren Lohnforderungen zu reagieren. In diesem Fall aber würden die Löhne unter Umständen schnell steigen und die Inflation noch schärfer nach oben treiben. Laut einem Szenario der Experten der Ratingagentur Fitch müssten dann die Zinsen um 150 Basispunkte nach oben angepasst werden. Das Wachstum der US-Wirtschaft würde in diesem Fall im Jahr 2017 nur noch bei etwa 0,6 Prozent liegen.

In welchem Dilemma die US-Wirtschaft steckt, macht das Fazit der Finanzblogger von Zerohedge deutlich: Bleiben die Löhne niedrig, dann wird es zu einer Rezession kommen, da die Verbraucher dann ihre Ausgaben angesichts des zu erwartenden Inflationsanstiegs reduzieren werden. Steigen die Löhne, jedoch dürfte die Rezession noch schneller kommen, da dann die Zinsen sehr rasch nach oben angepasst werden müssten. So oder so scheint eine Rezession derzeit fast unausweichlich. Verdichten sich die Anzeichen dafür, dann dürfte es mit der Ruhe am US-Aktienmarkt schnell vorbei sein. Dann sollten Anleger mit einer kräftigen Korrektur rechnen. Schließlich ist das Szenario einer anhaltenden Niedrigzinsumfeldes unter den Investoren weit verbreitet. Und sie alle würden dann rasch zum Ausgang laufen. Und die Folgen eines solchen Szenarios sind weithin bekannt.

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